Liber Lokaj: De Genesis
I Vor der Zeit war nichts und das Nichts gebar sich selbst. Es ward Dana.
II Dana aber schenkte allem Leben: dem Uralten, dem Alten, den Drachen und den Feen, den Alben und den Menschen und allem, was da kreuchet und
fleuchet.
III Vom Blute der Dana aus rotem Gestein, Erdkräfte, machtvoll, urkräftig Gewalt, geschliffen, gediegen aus urgründig Tiefen, Geschenk an den Drachen,
den unbändig Alten, geschmiedet Blutstropfen, des Drachenhort Schatz.
IV Und sprach:
V Du, Lokaj, sollst der Herold des Kampfes und des Zornes sein.
VI Du, Lokaj, sollst der Schutz dieser Welten sein.
VII Dir, Lokaj, übergebe ich dies Land zum Schutz.
Außer den im Liber Lokaj verzeichneten Offenbarungen des Nepomuk vom Hort ist nichts über die Vorzeit im Lande Hornstein bekannt. Die Legende besagt, dass Dana, die Erdgöttin, alle Götter erschaffen habe. Folgt man den Schilderungen, habe sich der skorpiongestaltige Ralot mit Gewalt an der Feenkönigin Schallawen vergriffen. Dass angeblich Schallawen selbst im hornsteiner Feenwald, beziehungsweise in einer Globule mit dortigem Eingang residiert, deutet auf die ältere Geschichte des Landes.
Um die Schandtat an seiner Schwester zu rächen, stürzte sich der göttliche Drache in den Kampf gegen den Ralot. Was folgte, war ein Zeitalter der Götterkriege. Später habe es eine Zeit gegeben, in der Lokaj selbst von seinem auf dem jetzigen Burgberg des Stammschlosses gelegenen Hort über das Land Hornstein herrschte. Der Name des Landes bezieht sich demnach auf die Hörner des Drachen.
Liber Lokaj: De Reincarnatio
I Nepomuk sah in die Ewigkeit und er sprach:
II Und dann bricht herein Verwüstung und Brodem und der Dämonensultan wird aussenden seine Heerscharen und Chaos bringen über die
Gerechten.
III Die Heere der Menschen werden erliegen und die Krähen sich laben an den Leibern der Erschlagenen. Der Schatten wird triumphieren. Sind aber tausend
Jahre vergangen, wird die Essenz des Drachens niedergehen und wo die Essenz ist, wird auch sein Leib und sein Geist sein um Jahresfrist.
IV Dann aber sah der die Danascheibe und sprach:
V Seht den Horizont, wo die Grenze liegt zwischen dem Reich der Dana und den Reichen der Dämonen. Nehmt Maß und schreitet von Grenze zu
Grenze.
VI Ist der halbe Weg vollbracht, so ist dies der Mittelpunkt. Hier, wo seit Äonen Wacht gehalten wird um das Mysterium Danas, hier werdet ihr finden
die Essenz des Drachen.
Etwas genauer werden die Quellen ab etwa tausend Jahren vor unserer Zeit. Damals habe sich der göttliche Drache in einen Schlund gestürzt, um den Ralot daran zu hindern, in die Welt zu kommen. Es ist unklar, ob sich der Skorpiongestaltige zu dieser Zeit bereits in seinem Gefängnis, einer Höllenglobule, befand oder ob er erst zu dieser Zeit dort festgesetzt wurde. Schriftstelen aus Tikon berichten, dass sich der Drache damals in Begleitung einer Hexenkönigin namens Amaryllis, eines Ritters namens Nepomuk und einem Magier namens Butelscaealum befand. Das Verschwinden des Lokaj datiert das Jahr 1 unserer älteren Zeitrechnung. In Hornstein bestieg Butelscaealum den Thron mit dem Titel eines unabhängigen Herzogs, zum Zeichen, dass er nur in Vertretung des wahren Herrschers, Lokaj, das Land regiere. Nepomuk begründete die Reihe der Ordensgroßmeister des Drachenordens und dokumentierte im Dämonentäle die Geschichte des Landes.
Eine alte certelurische Urkunde widerspricht dem und listet Hornstein bereits zur Gründungszeit des Königreiches als Lehen. Faktisch ist es den Nachkommen des Butelscaealum, dem Haus Bittelschieß-Hornstein, im Laufe der Jahrhunderte gelungen, mehrere Burgen in der Umgebung zu errichten oder zu übernehmen. Einem Vorfahr des letzten Herzogs gelang es, die Herrschaft Erkynlands durch Heirat dem Herzogtum einzuverleiben. Ebenfalls war es das Haus Bittelschieß-Hornstein, das durch die Urbarmachung der trollischen Wälder und die Errichtung der Burg Greifenhorst die Mark Greifenhorst den Kronlehen hinzufügte. Die vermutlich weitentfernteste Kronherrschaft war die noch jenseits von Seeburg gelegene Küssaburg, die sich zeitweilig im Besitz des Götz von Bittelschieß befand. Das Verschwinden des Thronfolgers Barnabas von Hornstein während der Wirren um die fjordländische Landnahme der Lindeninsel leitet den Übergang zur neueren Geschichte ein.
Liber Lokaj: De Bello Promilla
I Als tausend Jahre vergangen waren, kehrte der Drache zurück zu seinem Volk.
II Doch er fand die Menschen in Verzückung für seine göttliche Schwester Promilla erfüllt.
III Lokaj nahm sich ein Weib und zeugte einen Sohn, den er Lorandor nannte. Er sollte sein Erbe antreten.
IV Dann wandte er sich den himmlischen Gefilden und seiner Schwester Promilla zu.
V Die beiden Götter gerieten in erbitterten Streit um die Menschen der Lande und wie die Göttlichen, so stritten auch die Sterblichen unversöhnlich um
die Herrschaft.
VI Der alte Widersacher aber schlief nicht und als er die Menschen und die Götter in Zwietracht fand, da sprach er:
VII Ich will senden meine Heere, das Land der Menschen zu unterwerfen. Und es geschah, wie er gesagt.
VIII Lorandor aber sah die Dämonischen hervorquellen und wie es das Erbe seines Vaters war, so stürzte er sich in den Spalt, um für ein Jahrtausend zu
kämpfen.
IX Da sahen Promilla und Lokaj das Unheil, das ihr Streit hervorgebracht hatte und sie schlossen Frieden.
X Promilla sandte ihren heiligen Götterboten zum Zeichen ihrer Gunst und fortan lebte das Land unter beider göttlichem Segen.
Der Versuch des Anor von Bittelschieß, sich im Jahr 998 n.V.L. anstatt des abwesenden Barnabas zum Herzog krönen zu lassen, scheiterte am Widerstand der Danakirche. Diese konnte mit
certelurischer Waffenhilfe den fjordländer Schankwirt Svann Humpenseel, in dem sie den Barnabas erkannt hatte, als Herrscher durchsetzen. Durch die Ehe mit Adela von Bittelschieß und die
Einsetzung derer Brüder Norbär als Kanzler und Gunnar, des Grafen von Greifenhorst, als Heerführer wurde die Herrschaft legitimiert. Während in der folgenden Zeit allerorten mit zunehmender
Dämonenpräsenz zu kämpfen war, bestimmte die Feenkönigin Schallawen neun Gezeichnete, um die Rückkehr des göttlichen Drachen vorzubereiten. In einem überraschenden Angriff gelang es dem Imperium
von Hadran, zuerst Certelurien und dann Hornstein zu überrennen. Diese Angriffe kamen erst vor Schloss Hornstein zum Stehen, während sich im Feenwald unter den Gezeichneten der Widerstand
formierte. Allerdings war der Herzog in die Gewalt der Hadraner geraten. Beim sogenannten Gelage von Greifenhorst wurde die Beherrschung des Herzogs gebrochen. Im Sommer des Jahres 1000 n.V.L,
das seit dem als Jahr 1 Lokaj gezählt wird, erschien der göttliche Drache Lokaj in aller Pracht beim Gasthaus Adelmühle im Feenwald.
Obwohl erwartet worden war, dass der Drache die Regierung des Landes übernehmen und damit eine neue Blütezeit einläuten würde, enttäuschte sich diese Hoffnung. Im Jahre 2 Lokaj, nach dem Tod des
Barnabas, einigten sich deshalb die Hornsteiner Edlen, Prinzessin Alana, die Tochter des Gunnar von Greifenhorst, zur Herzogin zu krönen. Die Hochzeit mit Sir Trollsiff, einem ehemaligen
Schankknecht und dem ersten Gefolgsmann des verstorbenen Herzogs, festigte die Herrschaft. Da das Schloss Hornstein in den Hadranerkriegen zerstört worden war, wurde der Regierungssitz auf Burg
Greifenhorst verlegt. Über die Feenkönigin wurde des Drachen Botschaft verbreitet, dass dieser die Herzogin zur Frau beanspruche, weshalb die Gezeichneten Herzogin Alana entführten und auf der
Küssaburg festsetzten. Ein Heerzug unter Sir Trollsiff und die anschließende Belagerung der Burg führte zur Befreiung der Regentin.
Durch den Auftritt des Jarl Raskir von der Lindeninsel als Danas grüner Ritter konnten die Streitigkeiten zwischen Sir Trollsiff und den sich als neuer Lokajsorden formierenden Gezeichneten beigelegt werden.
Die letztmalige Erscheinung des Drachen datierte auf das Jahr 3 Lokaj, als dieser die Herzogswitwe Adela als Braut heimführte. Um die durch die Hadranerkriege zerrütteten Ländereien zu ordnen, gründete sich im Folgejahr auf Burg Torkelbier unter Vorsitz von Herzogin Alana, Sir Trollsiff und Baron Mortil Torkelbier eine Tafelrunde. Bei einer dazu stattfindenden Orkhatz wurde der Säugling Lorandor aufgefunden, als Lokajssohn erkannt und von Lady Alana und Sir Trollsiff adoptiert. Weitere Ereignisse auf Burg Torkelbier um ein verschwundenes Danasiegel waren zu metaphysisch für das Verständnis Sterblicher, begründeten aber wohl die fortdauernde Abwesenheit des Drachen eine gestörte Verbindung zwischen den Welten der Götter und der Sterblichen. Dies zumal ein weiterer Heerzug der Finsternis, die Legionen Xoms, Zerstörung und Grauen über das Land brachten. Einer letzten großen Schlacht, dem Abgesang, fielen Herzogin Alana und ein Großteil der Edlen Hornsteins zum Opfer.
Erst ein Jahrzehnt später deutete sich durch das Auffinden eines Siegels eine Änderung der Zustände an. Ein neuerlicher Versuch der Horden der Finsternis im Jahre 23 Lokaj, die Sphären zu öffnen, konnte durch den mittlerweile jugendlichen Drachensohn Lorandor verhindert werden. Als sich im folgenden Jahr Baron Mortil Torkelbier auf Burg Hornstein zum König Certeluriens ausrufen ließ und den Söldnerführer Keitel als Truchsess in Hornstein einsetzte, führte dies zum Konflikt mit den Anhängern des Lorandor. Da zeitgleich ein dunkles Heer aus dem Dämonentäle hervorquoll, konnte der Drachensohn seinen Thronanspruch nicht durchsetzen, sondern opferte sich im Kampf gegen die Finsternis. Seit jener Zeit liegt das Land darnieder.
